Doppelpentagonprysma
Das Doppelpentagonprisma (oft auch einfach „Winkelprisma“ oder „Winkelpflaster“ genannt) ist ein klassisches optisches Vermessungsinstrument im GaLaBau. Es wird vor allem genutzt, um rechte Winkel abzustecken oder um sich auf einer bestehenden Linie rechtwinklig zu einem Objekt einzuordnen.
1. Funktionsweise und Aufbau
- Zwei Prismen: Das Gerät besteht aus zwei übereinanderliegenden Glasprismen, die Lichtstrahlen um exakt 90° ablenken.
- Durchsicht: In der Mitte (zwischen den Prismen) kann man meist direkt geradeaus schauen.
Das Bild: Wenn man hindurchschaut, sieht man drei Bilder: das linke Prisma zeigt die linke Seite, das rechte die rechte Seite, und der Schlitz in der Mitte die Sicht geradeaus.
2. Die zwei Hauptanwendungen
Abstecken eines rechten Winkels (Aufstechen):
- Du stehst auf einer bekannten Linie (z. B. einer Schnur zwischen zwei Fluchtstäben).
- Ein Helfer bewegt sich mit einem dritten Fluchtstab seitlich weg.
- Wenn im Prisma das Bild des seitlichen Fluchtstabs genau mit den Bildern der Stäbe auf der Grundlinie übereinstimmt (die Stäbe bilden eine durchgehende Linie im Glas), steht der Helfer im rechten Winkel zu dir.
Einordnen in eine Gerade (Niederschlagen):
- Du suchst den Punkt auf einer Linie, der genau im rechten Winkel zu einem festen Objekt (z. B. einer Hausecke) liegt.
- Du bewegst dich auf der Linie vor und zurück, bis das Objekt im Prisma mit den Fluchtstäben der Linie zur Deckung kommt.
3. Praktische Handhabung
Lotstab: Das Prisma wird an einer Schnur (Senklot) oder an einem Lotstab genau über dem Bodenpunkt gehalten. Nur so überträgst du den optischen Winkel exakt auf den Boden.
- Ruhe bewahren: Das Gerät muss ruhig gehalten werden. Wackeln erschwert das „Zur-Deckung-Bringen“ der Bilder enorm.
4. Fehlerquellen und Grenzen
- Steile Gelände: Bei starken Höhenunterschieden zwischen den Punkten wird die Messung ungenau, da das Prisma waagerecht gehalten werden muss. Distanz: Auf sehr weite Entfernungen (über 30–50 m) wird das Bild der Fluchtstäbe zu klein, um es präzise zur Deckung zu bringen. Hier sind Laser oder Totalstationen überlegen.
- Justierung: Wenn das Gerät heruntergefallen ist, können sich die Prismen leicht verschieben. Dann ist der Winkel nicht mehr exakt 90°.
5. Bedeutung heute
Obwohl Laser und GPS-Geräte vieles übernommen haben, gehört das Doppelpentagonprisma in jede Grundausstattung, weil es:
- Keine Batterien braucht.
- Robust und klein ist.
- Für schnelle Kontrollen (z. B. „Ist die Terrassenkante wirklich rechtwinklig zur Hauswand?“).